Giganten der Vorgeschichte

Architektonische Beweise für eine prähistorische Hochkultur im Zentrum Europas
K. Walter Haug, Karlsruhe · 2006

Wir Deutsche sind gewöhnt, die eigene Vorgeschichte als unbedeutend im Vergleich zu anderen Hochkulturen, etwa der römischen oder griechischen, zu betrachten. Der Boden gibt offenbar auch archäologisch nicht viel her. Große Erdhaufen waren alles, was Kelten und Germanen zustande brachten, um ihre großen Herrscher nach ihrem Ableben zu ehren, so die allgemeine Meinung. Nicht einmal zu Steinbau waren diese „Barbaren“ anscheinend fähig. Dürftige Holzhütten und -häuser waren wohl alles, was sie an Architektur hervorbringen konnten.

Nun wundert den kritischen Historiker, dass die Kelten durchaus so intelligent waren, den Eisenpflug, die Arde, noch vor den Römern zu erfinden und im Ackerbau zu verwenden. Eine weitere Frage schließt sich zwangsläufig an: Wenn die Eisentechnologie also so weit entwickelt war, um Eisenschwert und -helm in großer Zahl zu produzieren, warum wurde das Eisen nicht, wie in anderen Hochkulturen auch, zur Steinbearbeitung eingesetzt? Warum sollen Kelten nicht auch große und kleine Steinblöcke mit ihren eisernen Werkzeugen hergestellt und z. B. zum Bau von Grabmonumenten und Tempel verwendet haben?

Wir finden in Europa, in den Zonen, wo sich laut dem römischen Geographen Strabo das große Reich der Kelten „Celtica“ erstreckte, jede Menge von Ruinen einer bedeutenden Großstein-Architektur. Im Norden Deutschlands und in Holland werden sie Hünenbetten genannt. Das sind z. T. über 100 m lange rechteckige Steinsetzungen aus oftmals tonnenschweren Findlingen. An einem Ende des vormals aus Erde bestehenden Baukörpers stehen noch heute die Dolmen, wuchtige Steintische aus tonnenschweren Steinplatten und -blöcken, die einst als Grabkammern dienten. Ein Rätsel, wie die technisch unterentwickelten Bauern der Jungsteinzeit diese Ingenieursleistung vollbringen konnten, solche Lasten zu bewegen und aufeinander zu türmen. In ganz West- und Nordeuropa, von Skandinavien über Großbritannien bis Spanien, aber auch auf den Balearen und vielen anderen Orten der Welt, selbst in Nordamerika, gibt es diese Megalith-Monumente.

Unter Megalithen versteht der Allgemeingebildete meist nur diese Dolmen und Steinkreise, zu denen auch das berühmte Stonehenge in England gehört. Wenige wissen aber, dass die Archäologie in Frankreich, Großbritannien, Skandinavien und Spanien Monumente zum Vorschein brachte, die komplett aus Stein bestehen und Grabkammern in Dolmenform besitzen. Diese Steinmonumente werden mit dem volkstümlich-keltischen Begriff „Cairn“ genannt. Er bedeutet sowohl in der Sprache der keltischen Bretonen in Frankreich als auch der keltischen Gälen in Großbritannien eine steinbedeckte Grabkammer. Und diese Cairns hat man oftmals als Stufenpyramiden rekonstruiert. Das größte derartige vollständig aus Stein bestehende Monument, der Cairn von Barnenez, hat eine Höhe von 6 – 8 m, eine Breite von 20 – 25 m und eine Länge von 75 m. Etwa 14.000 t Dolerit und Granit wurden verarbeitet.

Nun weiß man, dass Granit das härteste Gestein ist und nur mit Stahl gespalten werden kann. Doch die orthodoxe Chronologie datiert die Erbauung des Cairns in die Jungsteinzeit, mithin 6000 bis 6500 Jahre alt. Chronologie-Wissenschaftler, die im In- und Ausland schon seit Jahrzehnten forschen (Velikovsky, Fomenko, Topper, Illig, Heinsohn, Landau, Pfister, Gabowitsch, etc.), wissen, dass unsere Chronologie auf falschen Daten aufbaut und erst im Mittelalter entstand. Kirchengeschichte war das eigentliche Motiv, um auch die Weltgeschichte von Grund auf zu erfinden. Dabei entstanden Epochen, die in Wirklichkeit nur Duplikate zeitlich anders eingeordneter Zeiträume sind. Das römische Reich etwa ist in seinen architektonischen Hinterlassenschaften eigentlich etruskisch-hellenistisch (-700 bis -150) und zeitlich parallel zu den Kelten, aber auch zeitgleich mit den Alemannen und Wikingern des frühen Mittelalters (+150 bis 1350).

Auch die Erbauung der Cheopspyramide kann nicht in der Kupfersteinzeit stattgefunden haben, sondern erst in der Eisenzeit, denn um den Granitsarkophag herzustellen, war ebenfalls Stahl nötig. So lösen sich alle Rätsel der Weltgeschichte, die phantasievollen Autoren als Beweise für paranormale Fähigkeiten oder außerirdische Einflüsse dienen, als Resultat chronologischer Fehldatierungen. Wir gehen also bestimmt nicht fehl, Kelten und Germanen als die Erbauer der großen Steinmonumente Europas zu betrachten.

Vor diesem Hintergrund können auch nur die sensationellen Megalith-Ruinen einer versunkenen Hochkultur im Mittelgebirge Zentraleuropas verstanden werden. Denn diese seit 1990 entdeckten Bauwerke sind allesamt komplett aus Stein, müssen also erst in der Eisenzeit der Kelten und Germanen entstanden sein. Mit der Entdeckung dieser unerwartet kolossalen Bauwerke löst sich auch ein Rätsel: Warum findet man die Megalithen überall in Europa – das Verbreitungsgebiet reicht vom Atlantik bis an den Rhein, von Skandinavien bis nach Hessen, von der Schweiz bis an den Hochrhein – nur Süddeutschland soll davon ausgespart geblieben sein? Tatsächlich bietet Süddeutschland, Baden-Württemberg und Bayern insbesondere, die größten Megalith-Monumente der Welt.

Warum aber konnten diese Steinmonumente im Herzen Deutschlands bis heute übersehen werden? Die Erbauer in Urzeiten setzten die kolossalen Grabmäler in die Berghänge, aus denen sie das Baumaterial herausgebrochen hatten. So entstanden äußerst repräsentative Bauwerke, die hoch oben auf Bergen schon von weitem zu sehen waren und großen Eindruck bei den Betrachtern hinterlassen mussten. Heute jedoch sind diese Stätten meist völlig von Wald bedeckt, die großen Stufen-Cairns oberflächlich zusammengestürzt, so dass die Stufen und Grabeingänge nicht mehr erkennbar sind. Jeder Betrachter, der heute einem solchen Monument im Wald begegnet, hält es für eine große Abraumhalde inmitten eines Steinbruchs.

Auch der Autor und Ausgräber dieser völlig neuen Grabgattung hatte über ein Jahrzehnt mit diesem Vorurteil zu kämpfen, bis endlich die ersten Grabgänge und Portale zum Vorschein kamen, exakt die vorausgesagten Ganggräber, die in der Bretagne und vielen anderen Orten der Megalithkultur schon lange bekannt sind. Jeder, der heute noch glaubt, diese sensationelle Entdeckung in Abrede stellen zu müssen, kann sich in meinem reichhaltig dokumentierten Buch überzeugen: Die gemachten Architekturfunde sind identisch.

Nun müssen wir die Dimensionen der Bauwerke veranschaulichen, um zu begreifen, welche Sensation wirklich da vor Augen tritt. Der erst entdeckte Cairn, die Zwerchhälde von Sternenfels, hatte schon eine Höhe von über 20 m und eine Länge von 80 m. Der Böschungswinkel beträgt 52 – 54°, zum Vergleich die sehr steile Cheopspyramide mit 51° 51´.

Dann gelang mir die Entdeckung einer 10-stufigen Hangpyramide im Sommerhälden-Wald bei Kürnbach/ Baden. Sie allein umfasst eine Höhe von 80 m und besitzt auf dem Bergrücken einen Langcairn von über 250 m Länge. Nach der 3-dimensionalen Betrachtung von Flugbildern scheint der ganze Berg in Form gebracht worden zu sein, so dass die Westseite, die exakt in Nord-Süd-Richtung verläuft, ein Rechteck über prägnante Ecken mit der Nord- und Südseite bildet. Die Westseite ragt somit als Pyramidenstumpf mit einem Böschungswinkel von geschätzt 45º ins Tal.

Damit hätten wir in Deutschland eine Parallele zu den drei bosnischen Pyramiden am 44. Breitengrad, die ebenfalls aus natürlichen Bergen herausgeschält zu sein scheinen. Die Rekonstruktionszeichnung dieses Monuments mit der Himmelstreppe finden Sie auf dem Cover meines Buches*. Eine gut erhaltene Grabkammer kann in der obersten, 10. Stufe, einem Langcairn von 60 m Länge, besichtigt werden. Diese läßt sich gut mit ähnlichen Dolmen in Mecklenburg-Vorpommern vergleichen, die ebenfalls steinerne Schwellen besitzen. Die dazugehörigen Bilder können Sie im letzten Artikel über Kürnbach betrachten.

Bild 1: Kruschhälde (bei Sulzfeld)

Ein absolut phantastisches Bauwerk ist die Kruschhälde bei Sulzfeld (Bild 1). In einem dreieckigen Felsausbruch, genau am Rand des sehr steilen und hohen Hanges des Kruschhälder Gebirges, erstreckt sich ein komplexes System von Bauwerken, wobei man den Eindruck hat, dass allesamt im Untergrund, quasi durch das Untergeschoss, miteinander verbunden sind, also den ganzen Steinbruch von 300 x 300 x 300 m Länge ausfüllen. Ein höchste Stufe befindet sich an der Westseite. Diese endet zum Tal hin mit einer mehr als 100 m breiten, etwa 5 m hohen Schauseite, die genau Nord-Süd verläuft und an deren jeweiligen Ecken steile Treppenabgänge auf diese Wand zuführen und in ihrem Untergrund enden. Stufen und vermutete Grabpforten sind mit Geröll verschüttet.

Was das Ganze so kolossal macht, sind nicht nur die Dimension dieses Einzelbauwerks, sondern dass es in Verbindung zu zwei ähnlich großen Bauwerken steht, die ein großes Landschaft beherrschendes Dreieck bilden. Das zweite Bauwerk im Buchenbuckel hat im Gegensatz zum Dreieck der Kruschhälde, die man als gigantische Vulva interpretieren kann, Phallusform, bildet also ein riesiges langes Rechteck, das mit der Längsseite genau an der steilen Hangkante verläuft und gegen dieses Tal mit einem hohen künstlichen Wall abgegrenzt ist. Das dritte Bauwerk befindet sich beim Kindlesbrunnen, eine heute noch gern genutzte Quelle, die vielleicht früher im heidnischen Glauben Wunderquelle war. Das Wasser ist auch heute noch sehr klar und frisch. Hier also finden Menschen, die auf der Suche nach den authentischen Kraftsquellen der frühen Hochkulturen bis nach Südamerika und sonst wohin reisen, die tatsächlichen unserer Ahnen. Ein hoher Cairn, der ursprünglich den Zugang zum Steinbruch versperrte, wurde durchbrochen. Der Steinbruch ist ausgeweitet, wurde also tatsächlich gewerblich genutzt. Solche Nutzungsspuren findet man an den Felswänden der beiden anderen fast gar nicht. Nur die Bauwerke scheinen ihrer besten Steine beraubt.

Hier ist nicht der Platz, um all die phantastischen Cairns vorzustellen, die seit 1990 entdeckt werden konnten. Ständig werden neue gemeldet. Ich beschränke mich nur auf die größten Nekropolen (Totenstädte) und auf die neu entdeckten Monumente, die im Buch noch nicht erwähnt sind.

Die erste Nekropole fand ich bei Maulbronn-Schmie, wo sich auch das besterhaltenste Kloster Nordeuropas befindet. In einem kleinen Wald reihen sich hier die großen steilen Steingrabhügel über 10 m hoch dicht an dicht auf 700 m Länge. Die gemauerten Fassaden der Stufenpyramiden sind über weite Strecken gut erhalten. Die urkundlich im Mittelalter schon erwähnte Häldengasse führt labyrinthartig hindurch und zu den einzelnen Grabeingängen, von denen vier relativ gut erkennbar sind. Die schmalen langen Gänge jedoch wurden mit Geröll verstopft, um spielende Kinder abzuhalten.

Die flächenmäßig größte Nekropole befindet sich auf dem Marsberg bei Würzburg-Randersacker. Sie erstreckt sich über 1,3 km Länge und besitzt eine noch nicht festgestellte Zahl akkurat aneinander gereihter Langgräber von durchschnittlich 250 m Länge.

Bild 2: Marsberg – Eingang

Nur schmale Gassen teilen diese bis zu 10 m und höher aufragenden mächtigen Bauten aus z. T. tonnenschweren Felsblöcken. Von diesen Toten- oder Häldengassen aus erreicht man die mehr oder weniger verborgenen Portale, der Beginn bis zu 20 m langer Grabgänge (Bild 2). Bis jetzt sind dort drei relativ gut begehbare Gänge in typisch megalithischer Bauweise (tonnenschwere Wand- und Deckplatten) bekannt. Anzeichen für andere, noch zugemauerte oder verschüttete, sind erkennbar.

Diese Nekropole läßt sich sehr gut mit einer etruskischen vergleichen, der Banditacci-Nekropole bei Cerveteri, 80 km nördlich von Rom. Auch diese erstreckt sich über 1,2 km Länge und ist ebenso komplett aus dem Berghang herausgebrochen. Dort führen ebenfalls schmale Totenwege mit eingetieften Radspuren, auf denen die Totenkarren rollten, zwischen den großen Grabhügeln hindurch und Steintreppen tief ins Innere der Tuffsteingrabhügel zu großen beigabenreichen Grabkammern. Auf dem Marsberg konnten am Ende des längsten Ganges ebenfalls verschüttete Stufen einer Steintreppe festgestellt werden.

In Karlsruhe-Durlach konnte eine überaus große Nekropole unterhalb des sagenumwobenen Turmbergs ausfindig gemacht werden. Von dort bietet sich die gewohnte weite Aussicht nach Westen, hier über das weite Rheintal von Karlsruhe. Das Grabhügelfeld befindet sich im Gewann Judenbusch am Ortsrand im Wald beidseits der Kreisstraße nach Grünwettersbach. Ein Teil wird heute als Mülldeponie missbraucht, die Cairns in diesem alten „Steinbruch“, die auf einer alten Karte aus den 50er Jahren noch erkennbar waren, sind heute verschwunden. Ein anderer Teil nördlich der Straße wurde mit Wohnhäusern bekrönt. Daran anschließend findet man jedoch noch 4 gut erhaltene mächtig hohe und steile Cairns, zwischen denen die üblich engen Gassen hohlwegartig verlaufen. Auch auf der Südseite sind noch zwei markant steile und hohe Steinhügelgräber erkennbar. Das ganze Areal erstreckt sich über eine Länge von über 600 m. Die Breite dürfte ursprünglich ähnliche Maße betragen haben.

In Pforzheim meldete mir Andreas Ferch das Vorkommen großer Steingrabhügel gleich am Steilufer der Enz hinter dem Krankenhaus. Zwei kleine Felshöhlen in diesem Hang sind von der Kuppe eines der Bauwerke aus betretbar. Einer der Cairns wurde so weit planiert, dass ein Parkplatz darauf angelegt werden konnte. Drei weitere Cairns befinden sich ebenfalls in Pforzheim in der Maihälde zwischen Brötzingen und Birkenfeld an der Kreisstraße in einem Steinbruch. Der große zentrale Cairn besitzt kleine Nischen im Mauerwerk, als ob dort einst (möglicherweise bei Mai-Prozessionen) Devotionalien hinein gestellt wurden.

Thomas Weidinger, Mega-Skulpturforscher aus Herrenberg, meldete mir eine Nekropole auf der „Großen Wand“ bei Neuenhaus südlich von Stuttgart-Filderstadt. Bei einer Begehung mit Uwe Topper konnte der Befund bestätigt werden. Insgesamt vier realtiv schmale Lang- oder Hünengräber reihen sich in einem Steinbruch aneinander, der sich von 70 m Breite auf etwa 100 m weitet und etwa genauso lang ist. An der hinteren Felswand konnte ein Felsaltar festgestellt werden, an dem ein dreiäugiges Gesicht erkennbar ist. Von hier aus erreichten wir zwei weitere Grabstätten jeweils nur wenige Kilometer entfernt.

Bei Schlaitdorf entdeckt der Besucher einen großen, rechteckigen Steingrabhügel im Berghang, etwa 100 m lang und 80 m breit, wobei die Häldengasse zwischen Grabhügel und Felswand, ein schmaler Hohlweg, auf dem wohl früher die jetzt zugemauerten und nicht erkennbaren Grabpforten erreicht werden konnten, mit einer großen Sandsteinblockmauer zugemauert ist. Dort, direkt an der Hangkante des Neckartals hat man einen weiten Blick über die unten liegende Ebene.

Und bei Lindach findet man in einem Wäldchen, das genauso groß ist, wie die darin liegenden Monumente, zwei lange, sehr hohe und steile Steingrabhügel, auch mehr als 100 m lang, die parallel nebeneinander liegen und nur durch eine schmale Gasse getrennt sind. Hier fehlt die Felswand. Beide Bauwerke sind auf den Hang gebaut und dicht mit Bäumen überwachsen. Der Höllbach, Hinweis auf die germanische Totengöttin Hel oder Holda (daher auch die Hälden), liegt unmittelbar daneben in einer tiefen Felsschlucht.

Alle drei Grabstätten befinden sich am Westhang der Neckarau und boten von dort unten aus einst einen repräsentativen Anblick hoch oben auf den Bergen. Die landschaftliche Kulisse dieser Gegend mit merkwürdigen pyramidenförmigen Bergen im Osten ist äußerst beeindruckend. Wir haben den Eindruck, dass wir nur den Teil einer weit reichenden Prozessionsstraße gefunden haben, welche die aneinander gereihten Grabstätten verbindet und sich am Neckartal entlang nach Süden und Norden erstrecken muss, da die verbindende Landstraße südwärts jeweils in die betreffenden Ortschaften hineinführt, genau auf die Ortskirche trifft und dann links an ihr vorbei weiterführt. Diese Wendung nach links ist aus der keltischen Mythologie bekannt. Die linke Seite wird immer mit dem Totenreich in Verbindung gebracht.

Bild 3: Cairn bei Heilbronn, im Jägerhaus-Steinbruch (Karte)

Ebenfalls in der Nähe des Neckars, aber weiter im Norden bei Heilbronn, im Jägerhaus-Steinbruch konnte das flächenmäßig größte Einzelbauwerk der Cairngattung nachgewiesen werden. Sage und schreibe 500 m lang erstreckt sich der Bau in der Diagonale, seine Seitenlänge beträgt annähernd 400 m (Bild 3) – zum Vergleich die Cheopspyramide mit einer Seitenlänge von 4 x 230 m.An der Vorderseite kann man noch heute eine sehr gut erhaltene über 4 m hohe Stufe aus trocken gemauerten Sandsteinblöcken auf mehr als 100 m Länge besichtigen. Das Bauwerk befindet sich innerhalb eines halbkreisförmig in den Berghang hinein- und herausführenden Hohlwegs.
Nur an zwei Stellen wurde diese Gasse zu regulären Steinbrüchen erweitert. Diese galten bis in die Mitte des 20. Jh. als die größten Steinbrüche Württembergs. Der sehr gute und harte Schilfsandstein wurde sogar beim Bau des Amsterdamer Bahnhofs verwendet. Diese Art der Erweiterung eines uralten Felsmonuments zu einem regulären Steinbruch ist schon im Mittelalter nachweisbar. Auf einer Zeichnung des 16. Jh., deren Original heute im Germanischen Museum in Nürnberg aufbewahrt wird, sieht man neben der Baustelle des Klosters Schönau denselben in den Fels gebrochenen halbkreisförmigen Hohlweg, der um einen großen Cairn herum führt. Dort wo das Gestein zur Herstellung von Bauquadern tauglich war, erweiterte man den Hohlweg zum Steinbruch (Bild 4).

Bild 4: Steinbruch des Klosters Schönau (Zeichnung aus dem 16. Jh; Museum Nürnberg)

Ein ebenfalls überwältigend großes Bauwerk ist der Bärenstein bei Horn. Er befindet sich unmittelbar neben den Externsteinen, nur durch den kleinen See getrennt im anschließenden Wald (Bild 5). Vor der mehr als 30 m aufragenden Felswand, welche auf derselben Fluchtlinie liegt, wie der Externstein, wurde hier in Urzeiten das vermutlich höchste Bauwerk der Megalithkultur errichtet, ein fünfstufiger trapezförmiger Cairn, der eine Länge von 440 m erreicht.
baerenstein An der Nordwestseite befinden sich drei Einschnitte ins Bauwerk, die durch Wälle blockiert sind und auf verschüttete bzw. zugemauerte Portale schließen lassen. Obwohl die Maße dieser unvergleichlichen Bauwerke alles bisher Bekannte sprengen und ihre Ausbreitung nach dem Stand der Fundmeldungen wohl die ganze Mittelgebirgslandschaft Deutschlands umspannt, stehen sie in der Logik der norddeutschen Megalithgräber und ihrer nahezu flächendeckenden Ausbreitung in der Norddeutschen Tiefebene. Die einst Zehntausende umfassenden monumentalen Langhügel aus sog. Findlingen – tonnenschweren Felsplatten – bilden noch heute z. T. mehr als hundert Meter lange Grabruinen mit einer oder mehreren Dolmenkammern, in denen z. T. über hundert Skelette (wohl Nachbestattungen) ausgegraben werden konnten.

Bild 5: Bärenstein (Karte)

Wir wissen nicht, welche Herrscher ursprünglich unter diesen Monsterbauten bestattet wurden. Es gab jedoch sehr skurrile Bestattungssitten. So wurde in Frankreich, in der Nekropole von Bougon ein riesiger Langcairn geöffnet, in dessen einziger kleiner Kammer sich nur ein Schädeldach befand. Nichts desto trotz sollte alles Menschenmögliche unternommen werden, um diese wahrlich gigantischen Gräber der Vorzeit, unübersehbare Beweise einer versunkenen Hochkultur im Herzen des Kontinents, zu erforschen. Man wagt sich kaum vorzustellen, wie diese Giganten einst ausgesehen haben. Doch dass sie zu rekonstruieren sind, beweisen die vielen wieder hergestellten Cairns in anderen Ländern Europas z. B. Newgrange in Irland oder Gravinis in Frankreich, und die könnten der deutschen Archäologie leuchtende Vorbilder sein.

Philip Heidinger vom geophysikalischen Institut der Uni Karlsruhe unternimmt jetzt schon seit zwei Jahren geomagnetische und jetzt auch geoelektrische Messungen an Cairns im Kraichgau. An der Zwerchhälde von Sternenfels hatte das Team nun auf Anhieb Erfolg. Eine Hochwiderstandsanomalie zeichnete sich auf dem Monitor ab, Hinweis auf einen Hohlraum, eine möglicherweise unberührte Grabkammer. Das könnte der Durchbruch sein, denn das Landesdenkmalamt will die Entdeckungen solange nicht akzeptieren, als keine datierbaren Funde vorweisbar sind. Jedoch wäre nun eine Bohrung mit Endoskop nötig, um Inhalt und Struktur der vermuteten Kammer auszuleuchten. Dann könnte der verborgene Eingang geöffnet werden. Die Finanzierung dieser Maßnahme jedoch steht in den Sternen.

Literatur

K. Walter Haug: „Die Entdeckung deutscher Pyramiden“, Bestellungen unter 07203/6278, walter.haug.cfg@ngi.de
Fotos: © K. Walter Haug

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